Die Aktienmärkte haben im Mai neue Höchststände erreicht. Besonders Technologieunternehmen und der anhaltende KI-Trend sorgten für Rückenwind. Gleichzeitig zeigen sich erste Unterschiede zwischen einzelnen Marktsegmenten. Während einige Bereiche stark gelaufen sind, ergeben sich in anderen interessante Chancen für langfristig orientierte Anleger.
Aus unserer Sicht lohnt es sich gerade jetzt, nicht ausschließlich auf die Gewinner der vergangenen Monate zu schauen. Denn attraktive Perspektiven entstehen häufig dort, wo der Markt aktuell weniger Aufmerksamkeit schenkt.
In unserem aktuellen Marktupdate ordnen wir die wichtigsten Entwicklungen ein und zeigen auf, welche Themen wir derzeit besonders aufmerksam verfolgen.

Beratungswunsch zur Geldanlage
Hoffnungen auf ein Ende des Iran-Kriegs und die Öffnung der Seestraße von Hormus führten zwischenzeitlich mehrfach zu Kursgewinnen an den Aktienmärkten. Von der China-Reise des US-Präsidenten erhofften sich die Märkte Verbesserungen in Fragen der Zollpolitik und des Iran-Kriegs. Entsprechend enttäuscht reagierten die Aktienmärkte schließlich auf den weitestgehend ergebnislosen Gipfel. Die für die Weltwirtschaft wichtige Straße von Hormus blieb faktisch blockiert.
Unterstützung erhielten die Aktienkurse von den Geschäftsergebnissen des ersten Kalenderquartals. Vor allem US-Unternehmen konnten ihre Gewinne gegenüber dem Vorjahresquartal nochmals deutlich steigern. Bei Einzelaktien sorgten Überraschungen bei den Quartalsergebnissen für stärkere Kursbewegungen: in die positive Richtung unter anderem bei Alphabet, Apple, Qualcomm, Caterpillar und Eli Lilly und in negativer Hinsicht bei Meta und Amazon. Ein Kurstreiber blieb das Mega-Thema Künstliche Intelligenz (KI). Insbesondere die Aktien von Halbleiterherstellern erwiesen sich als Zugpferde der Börsen. Der wertvollste Konzern der Welt, Chip-Designer Nvidia, zeigte bei Umsatz und Gewinn im ersten Quartal abermals hohe Zuwächse. Der Aktienkurs litt allerdings nach einem neuen Rekordhoch unter Gewinnmitnahmen.
Gemischtes Bild bei den KonjunkturdatenDie Konjunkturdaten fielen im Mai eher durchwachsen aus. Insgesamt blieb die Stimmung in der Wirtschaft angesichts der gestörten Versorgung aus der Golf-Region erstaunlich gut. Die Einkaufsmanagerindizes, die als Frühindikator für die Konjunkturentwicklung gelten, verbesserten sich in allen wichtigen Regionen der Welt. Eingetrübt zeigte sich das Bild eher bei den privaten Haushalten, deren Konsumspielraum durch die steigenden Preise eingeschränkt wird. Getragen von den hoch gewichteten Tech-Aktien erreichten alle wichtigen US-Aktienindizes und Weltaktienindizes im Mai neue Rekordwerte. Der Dow Jones übertraf seinen alten Rekord aus dem Februar und stellte mit 50.830 Punkten eine neue Höchstmarke auf. Der S&P-500-Index, der schon im April auf neue Rekorde gestiegen war, kletterte im Mai erstmals über 7.500 Zähler. Und der NASDAQ-100 stieg kurz vor dem Monatsende erstmals auf gut 30.000 Punkte. Dies ist gegenüber dem zwei Monate zuvor markierten Jahrestief ein Anstieg um gut 31 Prozent. |
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Auch die japanischen, südkoreanischen und taiwanesischen Aktienmärkte setzten ihre Rekordjagd fort. Der Nikkei-225-Index in Tokio stieg erstmals über 65.000 Punkte, was gegenüber dem Jahresbeginn einen Anstieg von über 30 Prozent bedeutet. Auch an den Börsen von Südkorea und Taiwan waren es vor allem die Aktien der Mikrochip-Hersteller, die für einen Höhenflug sorgten. Die Werte Samsung Electronics und TSMC sind die jeweils höchstgewichteten Werte in den dortigen Aktienindizes.
Auch in Europa verzeichneten Aktien aus der Halbleiter-Branche hohe Kursgewinne, darunter der niederländische Chip-Produktionsanlagenbauer ASML und der deutsche Chiphersteller Infineon. Der Euro-Stoxx-50-Index näherte sich mit rund 6.100 Punkten wieder seinem Rekordhoch von Ende März. Auch der DAX erholte sich bis in die Nähe seiner im ersten Quartal aufgestellten Rekordwerte über 25.000 Zähler.
Wie von den Märkten erwartet, änderten weder die US-Notenbank Fed noch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen. Unterdessen bestätigte der Bankenausschuss des US-Senats denkbar knapp mit 13 zu 11 Stimmen Präsident Trumps Kandidaten Kevin Warsh für die Nachfolge des scheidenden Fed-Präsidenten Jerome Powell, der dem Fed-Vorstand aber weiter angehören will.
Kursverluste an den AnleihemärktenAn den Anleihemärkten überwogen anders als an den Aktienmärkten die Kursverluste. Die Folgen des Irankriegs haben die Ängste vor Inflation und möglichen Zinserhöhungen neu entfacht. Die Kurse von Anleihen fielen deutlich. Im Gegenzug stiegen die Renditen der festverzinslichen Wertpapiere auf langjährige Höchststände. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen erreichten mit knapp 3,2 Prozent das höchste Niveau seit 15 Jahren und in den USA stiegen 30-jährige Anleihen wieder über fünf Prozent. Britische Staatsanleihen standen wegen der Regierungskrise besonders unter Druck und rentierten erstmals wieder mit mehr als 5,1 Prozent – der Höchstmarke aus den Zeiten der Finanzkrise im Jahr 2008.
Was bedeutet das für Anleger?Die aktuellen Rekordstände an den Aktienmärkten zeigen, dass die Börsen trotz geopolitischer Spannungen, hoher Energiepreise und wirtschaftlicher Unsicherheiten weiterhin von starken Unternehmen und langfristigen Wachstumstrends getragen werden. Gleichzeitig lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Die Kursentwicklung wird derzeit vor allem von wenigen großen Technologieunternehmen bestimmt. Dadurch geraten andere Marktbereiche häufig in den Hintergrund, obwohl sie attraktive Chancen bieten können. Aus unserer Sicht kann es daher sinnvoll sein, bestehende Anlagestrategien regelmäßig zu überprüfen und nicht ausschließlich auf die Gewinner der vergangenen Monate zu setzen. Gerade eine breite Streuung über verschiedene Branchen und Regionen kann helfen, Chancen zu nutzen und Risiken zu reduzieren.
Chancen abseits der aktuellen BörsenlieblingeWährend der KI-Boom und große Technologiewerte die Schlagzeilen dominieren, ergeben sich derzeit auch in anderen Marktsegmenten interessante Perspektiven. Dazu zählen beispielsweise Gesundheitsunternehmen, die von langfristigen demografischen Entwicklungen profitieren, ebenso wie ausgewählte Nebenwerte oder substanzstarke Value-Unternehmen, die teilweise deutlich günstiger bewertet sind als die aktuellen Marktführer. Seit vielen Jahren setzen wir deshalb auf aktive Fondsstrategien. Diese ermöglichen es, Chancen auch außerhalb der bekanntesten Indizes zu identifizieren und gleichzeitig Klumpenrisiken zu vermeiden. Langfristiger Anlageerfolg entsteht selten dadurch, jedem Trend hinterherzulaufen. Häufig ergeben sich die interessantesten Chancen dort, wo der Markt gerade weniger hinschaut. |
Einfuhrzölle sind das Druckmittel, das US-Präsident Trump gerne bei jeder Gelegenheit und in alle Richtungen einsetzt. Sogar dann, wenn bestehende Vereinbarungen mit anderen Staaten das eigentlich verbieten. Inzwischen musste die Staatengemeinschaft lernen, dass der Mann, der sich selbst für den größten „Deal-Maker“ hält, sich nicht immer an die eigenen „Deals“ hält.
Importe in das eigene Land mit Zöllen zu belegen, verschafft der eigenen Wirtschaft Entlastung, weil es die Produkte der unliebsamen Konkurrenz aus dem Ausland verteuert. Längerfristig betrachtet schadet sich jedoch eine Volkswirtschaft, die sich mit Importzöllen „schützt“. Zum einen wird das Güterangebot im eigenen Land verknappt und verteuert. Letztendlich zahlen dadurch vor allem die Privathaushalte die Zölle. Zum anderen verliert die eigene Wirtschaft auf Dauer an internationaler Wettbewerbsfähigkeit, weil sie nicht mehr zu gleichen Preisen konkurrieren muss.
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Trumps Zollpolitik schadet der US-VolkswirtschaftDass Trumps Zollpolitik solchen Schrecken verbreitet, liegt an der Größe des US-amerikanischen Absatzmarktes. Beim Sozialprodukt liegen die USA (2024 mit 29,3 Bio. US-Dollar) an der Weltspitze mit deutlichem Vorsprung vor China (18,7 Bio. US-Dollar). Aber die Attraktivität des US-Absatzmarktes sinkt. Der Konsum verliert an Dynamik, Inflation und Zölle belasten die Ausgaben und die Sparquote sinkt. Während die US-Konsumausgaben im Frühjahr 2026 nominal noch gestiegen sind, zeigen sich unter der Oberfläche zunehmend Risse. Die realen, also inflationsbereinigten Umsätze sanken und die Verbraucherstimmung fiel jüngst auf historische Tiefststände. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima sank laut der jüngst veröffentlichten zweiten Schätzung um 5,0 Punkte auf 44,8 Zähler – ein Allzeittief. In einer ersten Schätzung war ein Rückgang auf 48,2 Punkte ermittelt worden. Volkswirte hatten mit einer Bestätigung der Erstschätzung gerechnet. So werden die geplanten Steuerrückerstattungen bei der Mehrheit der US-Privathaushalte kaum die gestiegenen Preise ausgleichen können und vor allem den einkommensstarken Haushalten zugutekommen, die allerdings für die volkswirtschaftliche Binnennachfrage weniger wichtig sind. Auch Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments, kommt zu dem Schluss, dass die Abwärtsrisiken für das US-Wachstum durch die unerwartete Schwäche des Konsums im ersten Quartal und die gemischten Auftragsdaten zugenommen haben. |
Fazit: Die Börsen haben die jüngsten Schwächesignale für den US-Konsum weitgehend ausgeblendet. Sollte sich diese Entwicklung aber fortsetzen, wird die Schwäche des großen US-Binnenmarktes auch an den Börsen Reaktionen auslösen. Und das von Trump gerne geschwungene Schwert der Importzölle würde dann letztendlich an Schärfe verlieren.
Die Kapitalmärkte werden derzeit von starken Technologieunternehmen, dem KI-Trend und positiven Unternehmensgewinnen getragen. Gleichzeitig zeigen einzelne Wirtschaftsindikatoren, dass Anleger auch die Risiken im Blick behalten sollten.
Für langfristig orientierte Anleger bleibt entscheidend, nicht auf kurzfristige Schlagzeilen zu reagieren, sondern die eigene Strategie konsequent umzusetzen. Besonders interessant können aktuell Marktbereiche sein, die zuletzt weniger Beachtung gefunden haben und attraktive Bewertungen aufweisen.
Wer seine Anlagestruktur überprüfen oder mögliche Chancen im aktuellen Marktumfeld besprechen möchte, kann sich jederzeit an unser Beratungsteam wenden.
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